Bei jedem Flug nach Helsinki fällt mir erneut auf, dass sich überdurchschnittlich viele junge Leute mit langen Haaren, schwarzen Klamotten und Band-Shirts unter den Fluggästen befinden. Finnland ist tatsächlich so etwas wie die Heavy-Metal-Hochburg Europas. Diese Musik ist hier allgegegenwärtig und nicht ohne Grund waren die letzten drei Beiträge Finnlands zum Eurovision Song Contest (Lordi, Hanna Pakkarinen, Teräsbetoni) den Genres Hardrock und Heavy Metal zuzurechnen. Im Radio kann man sich dank Radio Rock Helsinki rund um die Uhr auf die härtere Tour verwöhnen lassen und in den Top 10 der aktuellen finnischen Album-Charts finden sich fünf sehr rockige Acts. Wie sehr die Rockmusik hier im Mainstream angekommen ist zeigt auch ein Werbespot für Grandiosa-Pizza, der so in Deutschland unvorstellbar wäre:
Wahrscheinlich fühle ich mich nicht zuletzt deswegen auch immer wieder so wohl in Finnland.
Wie bereits nach dem Amoklauf von Tuusula im letzten November, kann ich nur wieder mein Posting vom 29.08.2007 hervorkramen. Auch hier wieder mit dem Hinweis, dass der letzte Satz leider keine Gültigkeit mehr hat.
WAAAS??? Seit 13. Juli schon kein neuer Eintrag mehr? Oh Mann, ich werde ein alter unmotivierter Sack. Dabei ist doch eigentlich so einiges passiert, nicht zuletzt fiel ja auch unser Finnlandaufenthalt in diese Zeit. Dann jetzt mal alles im Zeitraffer:
Man soll die Feste ja bekanntlich feiern wie sie fallen. Der Finne an sich hält sich ausnehmend gerne an diese Maxime. So auch Harri Olli, wie die „Welt“ berichtet:
Finne nach Eklat suspendiert
Finnlands Skiverband hat Harri Olli (22) für den Rest der Saison gesperrt, weil er sich nach seinem sechsten Platz bei der Skiflug-WM in Oberstdorf danebenbenommen haben soll. So habe Olli statt bei der Mannschaftsfeier anwesend zu sein, Sex mit zwei Partnerinnen gehabt und dann volltrunken damit herumgeprahlt. Seinen Teamchef habe er nach seiner Heimkehr vor Journalisten als „Wichser“ bezeichnet.
Ein Taxihalteplatz am Bahnhof Grankulla: Ein offensichtlich auf Kundschaft wartendes Taxi steht einem offensichtlich auf ein Taxi wartenden Herren gegenüber. Beide taxieren sich, jedoch kann sich keiner der beiden überwinden, sein Gegenüber mit seinem Anliegen zu belästigen. Wahrscheinlich stehen sie noch immer dort.
Jetzt wird es aber allerhöchste Zeit. Bald geht es schon wieder zurück und ich habe noch immer nichts berichtet.
Der Hinflug verlief ausgesprochen friedlich, was bei ein-, bzw. vierjährigen Mitreisenden ja schon mal bemerkenswert ist. Das Wetter konnte uns zunächst mal gar nicht schocken, fünf, sechs Grad im Dezember kennen wir aus Düsseldorf ja auch. Mittlerweile ist es dann doch nur noch ca. 0 Grad, was ja auch schon „dezemberlicher“ ist. Der Dienstag begann recht früh mit dem Besuch eines Krippenspiels. Üblicherweise bringen bei solchen Gelegenheiten ja kleine Kinder die hinlänglich bekannte Geschichte auf die Bühne, hier war es jedoch eine Seniorengruppe, was dazu führte, dass die Jungfrau Maria von einer Dame verkörpert wurde, die sich wohl nur noch dunkel an das Einsetzen Ihrer Menopause erinnern kann und der Chor der Engel auch schon etwas runzelig daher kam. Danach begann unser Shopping-Tag, den wir wir, wie meistens, im Einkaufscenter Sello abhielten. Inkki hat eine schöne Winterjacke von Karhu gefunden, ansonsten haben wir uns aber ziemlich zurückgehalten. Ich war schon ganz happy, dass ich mein geliebtes Ruisfileateria von Hesburger bekommen habe.
Am Mittwochmorgen fuhren wir nach Helsinki, zum Unga Teatern. wo das Kinderstück „Julgubben och trolltrumman“, nach dem Bilderbuch von Mauri Kunnas, gezeigt wurde. Jesper hatte seinen Spass und es war auch wirklich sehr, sehr nett. Heute ist nun, zumindest für die Finnlandschweden, ein besonderer Tag: Luciadagen! Die diesjährige Lucia wird heute Abend vom Dom herab zum Volk steigen und einen kleinen Umzug über Alexandersgatan und Södra Esplanaden machen. Das wollen wir uns anschauen und hoffen auf angenehmes Wetter.
Hat mir denn mein Finnischkurs nun geholfen? Nun ja…eher nicht. Es ist aber auch zu verzwickt. Letztens begegnete mir ein Schild mit der Aufschrift: Maalitussi. Eine Maalitussi konnte ich mir eigentlich nur so vorstellen:
Nun ist es also tatsächlich so gekommen wie ich es mir gewünscht hatte. Deutschland und Finnland sind gemeinsam in einer Gruppe zur WM-Qualifikation 2010 gelandet!
In Deutschland reden alle Fachleute von einem machbaren Los mit Russland als Hauptkonkurrenten. Aber auch in Finnland ist man gar nicht so unglücklich über das Ergebnis. Vorherrschender Tenor dort: „Eine schwere aber nicht unlösbare Aufgabe.“. Gegen Deutschland sieht man zwar wenig Chancen, den zweiten Platz vor Russland zu erreichen hält man aber für nicht völlig ausgeschlossen. Wenn man das letzte Spiel der Russen in der EM-Quali betrachtet (1-0 gegen Andorra!), dann könnte da was dran sein. Jetzt hoffe ich nur noch, dass die Terminierung der Spiele mir entgegenkommen wird und dann wäre es ja wirklich möglich, dass ich beim Spiel FIN-GER live vor Ort sein könnte!
So nah waren sie noch nie dran. Ein verflixtes Tor hat gefehlt und Finnland hätte sich endlich, endlich einmal für ein großes Fussbalturnier qualifiziert. Nun ist ein 0-0 in Portugal ein ehrenwertes Ergebnis, aber dafür kann man sich halt auch nichts kaufen. Der beste finnische Fussballer aller Zeiten, Jari Litmanen, stand gestern noch mal auf dem Platz, aber geholfen hat es auch nichts. Ein Blick auf die Tabelle verrät woran Finnland letztlich gescheitert ist. In 14 Spielen haben sie nur 7 Gegentore kassiert, das ist internationale Spitzenklasse. Nur haben sie halt auch bloß 13 Tore geschossen. Das ist in einer Gruppe mit Gegnern wie Aserbaidschan, Kasachstan und Armenien natürlich erbärmlich wenig. Allein diesen Teams hätte man in sechs Spielen locker 12 bis 15 Tore verpassen müssen und in Aserbaidschan hätte man natürlich auch eigentlich nicht verlieren dürfen.
Trotzdem kann man wohl sagen, dass Finnland momentan über eine ziemlich starke Generation von Fussballern verfügt. Am kommenden Sonntag werden die Qualifikationsgruppen für die WM 2010 ausgelost. Also auf ein Neues! Vielleicht wird’s ja dann mal was. Schön wäre es ja auch wenn bei dieser Auslosung Finnland und Deutschland in die selbe Gruppe kämen. Möglicherweise ließe es sich dann einrichten, dass ich mal ein Spiel einer deutschen Nationalmannschaft in Helsinki besuchen könnte.
Nun gibt es also doch keine Massenkündigungen finnischer Krankenschwestern. Ebenso satte wie angemessene 20% Lohnerhöhung im Laufe der nächsten drei Jahre haben sie sich erkämpft. Wahrscheinlich ist der Oberlokführer Schell schon unterwegs nach Helsinki um sich ein paar Tipps einzuholen.