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Im ersten Halbjahr 2008 folgt in Düsseldorf eine Messe auf die andere und so findet momentan die “Beauty International” statt. Die spült uns eine recht illustre Gästeschar ins Haus, die sich vornehmlich aus Fusspflegerinnen, Kosmetikerinnen und Nageldesignerinnen zusammensetzt. Nun sollte man ja eigentlich meinen, dass diese Menschen als gutes Vorbild stets aufrecht voranschreiten und um ein ansehnliches Äußeres bemüht sein sollten. Die Realität sieht gänzlich anders aus. Ich komme mir vor als hätte man mich in eine ländliche Großraumdisco der Neunziger gewarpt. Goldblond gefärbte Löwenmähnen, sonnenbankgegärbte Lederhaut, schwarz-umrandeter dunkelroter Lippenstift(!). G-R-U-S-E-L-I-G!!! Sieht so die Haute-Volée von Zittau, Gilching oder Vögelsen (kein Witz!) aus? Dann möchte ich da bitte nie-, nie-, niemals hin müssen.
Angenehm ist es bei dieser Messe allerdings, dass man sich um die Zimmerzuteilung etwas weniger Gedanken machen muss als ansonsten üblich. Normalerweise ist es doch schon mal etwas pikant wenn man zwei ausgewachsene Männer in ein Doppelzimmer mit Französischem Bett steckt. Aber okay, kann vorkommen. Wenn man allerdings sieht, dass es sich bei den anreisenden Gästen um zwei Visagisten handelt, dann weiß man, dass man das Richtige tut.
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Unser Hotel (also mein geliebter Arbeitgeber) bietet seinen Gästen einen sehr schönen Extraservice, nämlich ein Ticket zur kostenlosen Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs im gesamten VRR-Gebiet. Häufig treten die Gäste mit folgender Frage an mich heran:
Kann ich damit auch bis nach Köln fahren?
Neu in meinem Repertoire der spektakulärsten Antworten:
Im Prinzip ja. Sie dürfen sich bloß nicht erwischen lassen!
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Ein flüchtiger Blick auf die Hotelbelegung ist bei Dienstbeginn natürlich obligatorisch und was habe ich da heute entdeckt? Gäste aus Kirkkonummi! Das kam mir doch gleich bekannt vor, denn dort endet der Zug, der mich immer von Helsinki nach Grankulla bringt. Bei “uns Finnlandschweden” heißt Kirkkonummi aber natürlich Kyrkslätt. Ich habe die Gäste also direkt mal darauf angesprochen und erwähnt, dass meine Frau doch aus der erweiterten Nachbarschaft stammt. Das ermutigte die nette Dame dann dazu, mich auf Finnisch anzureden. Hier kam mir dann mein ebenso kurzer wie hilfreicher Standardsatz “En ymmärrä!” zu Hilfe (Ich nix verstehen!). Immerhin habe ich es dann aber geschafft den zu zahlenden Betrag auf Finnisch zu nennen, was der Dame ein anerkennendes “Joo, joo!” entlockte. Im Weggehen sagte sie dann etwas zu ihrer Begleitung, das ich mit meinen rudimentären Kenntnissen als “Er hat eine finnische Frau.” deuten konnte. Sie verabschiedete sich mit einem eher förmlichen “Näkemiin”, was ich mit einem, vielleicht eine Spur zu jovialen, “Hej hej!” beantwortete. Meine Lehrerin Aniita hätte an dieser Stelle wahrscheinlich trotzdem gesagt: “Oikein hyvin.”.
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Manche Regionen in Afrika werden immer wieder von Heuschreckenplagen heimgesucht, spanische Strände von speckig glänzenden Touristen und auch Düsseldorf bleibt von einer immer wiederkehrenden Plage nicht verschont, nämlich von Landbevölkerung auf Junggesellenabschiedstour. Als Düsseldorfer sollte man sich dieses Schauspiel wenigstens mal kurz gönnen und sich an einem sommerlichen Freitagnachmittag vor den Hauptbahnhof stellen. Nach und nach ergießt sich ein Strom von mit Strohhüten, Federboas und vermeintlich lustig bedruckten Shirts ausstaffierten Landeiern ins Stadtzentrum. So mancher schon da mit glasigem Blick, für die noch klar durchblickenden wird jedoch immer genügend flüssiger Proviant, zumeist nur regional bekannter Abfüller, mitgeführt. Überflüssig zu erwähnen, dass sich dieses unter stetem Absingen schmutziger Liedchen vollzieht. So nimmt diese Karawane des Frohsinns dann zielstrebig Kurs auf die Graf-Adolf-Straße um dort entweder mich oder aber einen diensthabenden Rezeptionisten aus einem benachbarten Haus heimzusuchen. Da Geld bekanntlich nicht stinkt, noch nicht mal nach “Herforder Pils” oder Misthaufen, sind natürlich auch solche Gäste herzlich willkommen (so wurde mir zumindest eingetrichtert).
Ich muss mich aber ernsthaft fragen was erwachsene Menschen dazu treibt alle Selbstachtung abzulegen und sich in aller Öffentlichkeit derartig zum Affen zu machen. Wahrscheinlich sind die Motive die gleichen wie die, die manche Menschen auch dazu bringen sich einer Freiwilligen Feuerwehr oder einem Schützenverein anzuschließen. Es muss etwas mit obskuren Stammesriten zu tun haben, die in so mancher abgelegen Gegend unserer Republik noch fröhliche Urstände zu feiern scheinen.
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Eine recht beliebte Antwort auf die Frage “Wie war der Urlaub?” ist, zumindest unter selbst ernannten Scherzkeksen, “Zu kurz!”. Das kann ich von meinem ausnahmsweise mal nicht sagen (also vom Urlaub!!!), denn die drei Wochen kamen vor wie eine kleine Ewigkeit, was nicht zuletzt auch am miesen Wetter liegen mag. Ich kann zwar auch nicht behaupten, dass ich mich direkt unbändig aufs Arbeiten gefreut hätte, aber immerhin hat es mir nichts ausgemacht und so tue ich also seit mittlerweile einer Woche wieder das wofür ich mehr oder weniger gerecht entlohnt werde. Als wäre ich damit noch nicht genug ausgelastet, startet am 03.09. auch noch das Projekt “Herr K. lernt Finnisch - Reloaded”. Vor drei Jahren hatte ich schon mal einen Kurs begonnen, leider wurde ich entgegen anderer Absprachen, dann aber immer wieder am betreffenden Abend zum Spätdienst eingeteilt und somit habe ich den Kurs dann nach ungefähr der Hälfte abgebrochen. Bis dahin lief es eigentlich ganz gut. Ich konnte mich auf Finnisch vorstellen, die Uhrzeit angeben und habe meine absolute Lieblingsvokabel kennengelernt. Schon mal was von Jäätelötötterö gehört? Das allermeiste habe ich aber mittlerweile wieder vergessen und dementsprechend fange ich jetzt also wieder bei Adam und Eva, ach nee auf Finnisch wohl eher Eeva, wieder an. Das sauteure Lehrbuch habe ich noch und allein dessen Titel lehrt den Lernwilligen bereits Demut vor der großen Aufgabe. Es heißt schlicht “Kieli Käyttoon. Suomen kielen alkeisoppikirja.”. Na dann mal gutes Gelingen!
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Jetzt ist der große Tag endlich gekommen. URLAUB!
Und was ist? Bin ich besonders euphorisch? Nee, gar nicht. Ich bin einfach nur froh, mal für drei Wochen nicht morgens um 5:50 Uhr geweckt zu werden oder erst um 22:20 Uhr zu Hause zu sein oder evtl. auch mal 10 Tage am Stück arbeiten zu müssen. Bei unserer dünnen Personaldecke kommt es immer wieder (und immer häufiger) zu echten Notsituationen. Gutes Beispiel aus der letzten Woche war, dass unsere neue Aushilfskollegin sich am Sonntag, vier Stunden vor Beginn ihrer Schicht, mit “Sonnenstich” krank meldete. Wohlgemerkt zu einer Zeit in der kein Hotelgast das Haus verlässt ohne darauf hinzuweisen, dass der Sommer 2007 wohl offensichtlich ausfällt. Was war die Folge? Meine Kollegin K rief mich um 11Uhr an und fragte ob ich um 14:15Uhr arbeiten könnte. Nein, konnte ich nicht nicht. Ich hatte andere Pläne. Das tat mir für K echt Leid, aber es kann nicht sein, dass meine freien Tage nur als provisorisch gelten. Ich kann nicht ständig auf Abruf verfügbar sein. Der andere Kollege aus der Tagschicht sieht das offensichtlich ganz ähnlich oder sogar noch viel ähnlicher. Jedenfalls nimmt er vorsorglich schon mal keine Telefongespräche an seinen freien Tagen entgegen. Die Folge? Die arme K hat eine 15,5-stündige Schicht geschoben. Und das mitten in einer Messe mit unzähligen Ab- und Anreisen.
Und was war mit unserer sonnenstichigen Aushilfskollegin? Die hatte keinen gelben Schein vorzulegen und auf die Mail unserer Chefin, sie möge doch dann die unentschuldigte Schicht mit K tauschen kam erst mal gar keine Reaktion und drei Tage später eine SMS(!) an unsere Chefin, mit dem Inhalt, sie “danke für die erhaltene Chance.”, könne aber das Angebot, sich weiter ins Berufsleben eingliedern zu lassen nicht annehmen.
Da fällt einem nichts mehr zu ein! Solche dreisten Personen werden von allen arbeitenden Leuten durchgefüttert. Das ist jetzt kein populistischer Aufschrei sondern einfach eine Tatsache. Mir gegenüber liegt sie noch in den Ohren wie wenig Geld sie doch hätte und die Chance etwas dazu zu verdienen schmeißt sie so leichtfertig weg? Noch schlimmer: sie reißt ihre, wenn auch nur kurzfristigen, Kollegen damit so völlig in die Scheiße. Hoffentlich wird ihr jede Hilfe erst mal völlig gekappt. In die Wege geleitet wurde es glücklicherweise!
Genug aufgeregt! Ich wollte ja nur mitteilen, dass ich jetzt Urlaub habe. Und wehe, mich ruft jemand an um mir mitzuteilen, wie aussichtslos doch die Lage sei.
ICH HABE JETZT DREI WOCHEN FREI!!!
Und diese drei Wochen gehören mir und noch viel mehr meinen drei Lieben!
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Wer kennt das nicht? Nach einem arbeitsreichen Tag sitzt man in der Bahn, träumt vor sich hin und kümmert sich wenig um die Durchsagen der nächsten Haltestellen. Prompt schießt man im wahrsten Sinne übers Ziel hinaus und ärgert sich, dass man ein paar hundert Meter zurück laufen muss. Richtig ärgerlich wird es jedoch wenn man, wie Kollege M, von der Nachtschicht kommt, todmüde ist, einpennt und feststellt, dass man statt in Mönchengladbach, im benachbarten Ausland, genauer gesagt in Venlo(!) gelandet ist. Einen gesegneten Schlaf scheint er zu haben, der Gute!
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Nach umfangreichen Vorbereitungen eines Tagungsraumes erkundigt sich der zuständige Haushandwerker J bei mir:
“Und? Waren die zufrieden?”
“Die waren eben alle bei mir um sich zu bedanken. Manche haben sogar geweint.”
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Übel, übel, wenn die Personaldecke dünn ist und gleichzeitig Kollegen Urlaub haben und andere krank werden. Als akute Rettungsmaßnahme müssen wir in solchen Fällen auf 12-Stunden-Schichten umstellen. Heute und morgen hat es also mich erwischt. Zum Glück ist einigermaßen viel zu tun, dann geht die Zeit wenigstens schnell rum. Ein echtes Highlight bescherte mir nun soeben eine Dame, die mir beim Check-In erzählte, sie ginge heute noch zum Iron Maiden Konzert. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, hätte ihr Personalausweis nicht ihr Geburtsjahr mit 1940 ausgewiesen. Wow! Dann mal “Viel Spaß!”.
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Nun hat es mich also mal wieder erwischt. Die Kollegen Nachtportiers müssen ihre Überstunden abbauen und so ergibt es sich also, dass ich mir mal wieder die Nacht um die Ohren schlagen darf. Ich sollte mich aber nicht beschweren. Bis vor einem Jahr waren fünf, sechs, sieben Nachtschichten pro Monat die Regel, jetzt ist schon sehr außergewöhnlich, dass ich überhaupt mal nachts ran muß. Nun ist nicht jede Nachtschicht wie die andere. Wenn gerade eine Messe in Düsseldorf stattfindet und wir entsprechend ausgebucht sind, dann hat man schon mal genug damit zu tun seine Schäfchen nach durchzechter Altstadtnacht alle wieder einzufangen und wenn dann zusätzlich auch noch Tagungen bei uns stattfinden, dann hat man auch mit dem Herrichten, bzw. Aufräumen der Seminarräume gut zu tun. Sind allerdings nur eine Handvoll Gäste im Haus und diese auch schon alle zu christlicher Zeit im Bettchen, dann kann sich eine solche Nacht unendlich hinziehen. Wie kann man sich dann nach Erledigung aller Aufgaben die Zeit vertreiben? Lesen ist natürlich immer möglich. Noch schöner wären dann aber doch bewegte Bilder. Einen Fernseher gibt es jedoch nicht und unser PC ist dermaßen veraltet und heruntergekommen, dass er noch nicht einmal Audio-CDs abspielt, geschweige denn DVDs.
Nun habe ich aber die Lösung für dieses Problem gefunden. Ein USB-Stick! Ich habe mir einen mit einem 1GB-Speicher zugelegt und darauf den VLC-Player installiert. Mit dem läßt sich so ziemlich jedes gängige Audio- und Videoformat wiedergeben, inklusive DivX. Nun zeichne ich mir also per Onlinetvrecorder Fernsehsendungen auf und nach dem Herunterladen und decodieren stehen mir diese als schnuckelige, kleine DivX-Files zur Verfügung. Dann heißt es nur noch Zurücklehnen und sich berieseln lassen. Also fast so wie zuhause. Herrlich! Dass das alles tatsächlich so funktioniert wie ich mir das theoretisch ausgemalt habe, das überrascht mich dann doch. Aber es klappt wirklich! Jetzt mache ich mich also mal ans Werk und verrichte die mir aufgetragenen Aufgaben um danach gemütlich Tv-Total von gestern zu gucken oder wahlweise den Kindergarten Daddy. Mal gucken (im wahrsten Sinne des Wortes)!
technorati tags:usb-stick, onlinetvrecorder, vlc-player, nachtschicht
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