Anfang der Neunziger habe ich mich beinahe jeden Donnerstagabend im ZAKK herumgetrieben. Das waren immer spaßige Abende mit jeder Menge toller Musik. Letzten Dienstag war ich nun erstmals seit bestimmt 12 oder 13 Jahren mal wieder dort und zwar gemeinsam mit Bruder Elmar zum Konzert der Fehlfarben. Das sind ja echte Düsseldorfer Lokalhelden und darum wurde es auch höchste Zeit die mal live zu erleben. Sänger Peter war zwar nicht ganz bei Stimme, wie er selber unumwunden zugab, doch er wusste dieses kleine Manko durch seine dunkelblauen Lederslipper mit güldenen Applikationen auf ganzer Linie wettzumachen. Leider war der Sound extrem matschig, was allerdings auch an unserem Platz gelegen haben kann. Wir waren zwar extrem nah an der Bühne, aber sogar noch ein Stückchen näher an einer der Boxen. Das hat dem Spaß aber keinen Abbruch getan. Die Fehlfarben sind und bleiben einfach ‘ne geile Band und wenn sie das nächste mal in DUS aufspielen, dann bin ich mit Sicherheit wieder am Start!
Was für ein ereignisreicher Donnerstag! Zunächst mal das Konzert von 22-Pistepirkko (22 Marienkäfer) am Senatsplatz. Die Band machte einen ungemein routinierten oder um es noch treffender zu sagen, coolen Eindruck. Sie haben einfach ihren ganz speziellen Sound, der sie zu einer so besonderen Band macht. Das Publikum war sich scheinbar gar nicht richtig bewusst, dass da die international am meisten respektierte Band Finnlands auf der Bühne stand. Es blieb merkwürdig distanziert, im wahrsten Sinne des Wortes. Niemand traute sich ganz nach vorne und so kam ich mir fast schon ein wenig blöd vor als ich mich dann direkt an die Bühne stellte um zu filmen und fotografieren. Gleich als erstes Lied kam mein absoluter Favorit “Sad Lake City”. Ein Song, dessen melancholische Stimmung einfach perfekt zu Helsinki passt:
Die Kulisse war wie erwartet etwas ganz Besonderes und auch das Wetter hat glücklicherweise mitgespielt. Es hatten sich einge Hundert Zuschauer versammelt.
Hier nun noch der Song “Rat King”, den ich auch besonders mag:
Die Familie drängt zum Aufbruch, wir wollen gleich in den Zoo fahren. Also bleibt mir gar nicht mehr viel Zeit, den Ausgang des gestrigen ESC-Semifinals zu kommentieren. Ich bin sehr, sehr froh, dass es meine Favoriten Bulgarien und Georgien ins Finale geschafft haben und ich sie somit auch heute bei der Generalprobe live sehen kann. Auffällig ist, dass alle Songs, die das Semifinale überstanden haben aus Osteuropa kommen (wenn wir die Türkei mal dazu zählen). Direkt wird in nicht ganz so gut informierten Kreisen wieder die gute alte Verschwörungstheorie ausgegraben, ohne zu bedenken, dass Osteuropa schlicht und ergreifend die besseren Songs im Angebot hatte und auch das Zuschauerinteresse dort ungleich grösser ist als im Westen. So, jetzt muss ich aber wirklich los!
So mies das finnische TV-Programm zu normalen Zeiten auch sein mag, im Moment ist es für ESC-Fans geradezu paradiesisch. Die beiden Digital-Kanäle YLE EXTRA und DINA senden z.Z. ungefähr jeweils 10 Stunden am Tag rund ums Thema Euroviisut! Klar, dass da auch eine Menge Material zum Zeit-Totschlagen dabei ist, aber so mancher interessante Backgroundbericht ist da auch immer wieder zu finden. Besonders skurill wird es abends wenn auf DINA das ESC-Wunschkonzert läuft. Allerdings kann man sich hier nicht die Interpretationen der Original-Künstler wünschen, sondern bekommt mehr oder weniger ambitionierte Amateure präsentiert, die ESC-Klassiker wie Waterloo, Fly On The Wings Of Love, Aprés Toi oder Lapponia ausgesprochen frei und fantasievoll zum Besten geben. Als besonders absurdes Beispiel habe ich hier mal eine Version von “Ein bisschen Frieden” im Angebot:
Heute Abend stehen also gleich zwei Highlights auf dem Programm. Erst, wie gestern berichtet, das 22-Pistepirkko Konzert und dann das ESC-Semifinale. Meine persönlichen Favoriten sind dabei Bulgarien und Georgien und wie das bei meinen Favoriten so üblich ist, werden sie wohl keine Chance haben ins Finale einzuziehen. Vermutlich sind diese Songs auch zu anspruchsvoll für einen Wettbewerb bei dem eine Witzfigur wie DJ Bobo als Mitfavorit gilt. Die Songs aus Bulgarien und Georgien sind auf jeden Fall ein gutes Argument für die Ost-Erweiterung des Eurovision Song Contests. Wer bringt denn Experimentierfreude und innovative Ansätze in diesen Contest ein? Etwa die klassischen Grand Prix Nationen wie Grossbrittannien, Niederlande, Spanien oder eben die Schweiz? Schaut mal in diese peinlichen bis todlangweiligen Beiträge rein und vergleicht selbst. Ohne die Osteuropäer, die scheinbar noch richtig Bock auf diesen Wettbewerb haben, wäre der ESC schon längst tot!
Nun noch ein Nachtrag zum gestrigen Beitrag. Die Präsentation der Nationen im Esplanaden-Park hatte nämlich doch noch einen Höhepunkt zu bieten. Am tschechischen Stand war der Maulwurf aus der “Sendung mit der Maus” und standbereitwillig für Fotos mit seinen kleinen Fans zur Verfügung. Die Chance hat Jesper sofort ausgenutzt:
Den ersten Tag in Helsinki haben wir nun hinter uns und das Eurovision-Fieber steigt bereits. Schon am Flughafen empfing uns ein entsprechendes Schild und machte Lust auf mehr:
Doch zunächst mussten Vorräte an finnischen Leckereien angelegt werden, wobei uns das Thema Eurovision aber auch schnell wieder einholte. Hier trinkt man momentan nämlich weder Coca-Cola, noch Pepsi, sondern selbstverständlich Lordi-Cola!
Doch mit dieser Cola ist die Palette an Lordi-Merchandise noch lange nicht erschöpft. Es gibt Lordi-Radiergummi, Notizhefte, Pokerkarten und die finnische Post bietet stilgemäss das Lordi-Packset an. All dies konnten wir heute morgen bei unserer Shopping-Tour im Einkaufszentrum Sello finden. Am Nachmittag zog es uns dann ins Eurovision Village wo Gerli Padar ihren Titel “Partners In Crime” vortrug, mit dem sie am Donnerstag fuer Estland im Semifinale starten wird:
Anschliessend noch ein Spaziergang ueber die Esplanaden und zum Senatsplatz um das obligatorische Foto des Doms zu machen, das bei keinem Helsinkiaufenthalt fehlen darf:
Abschliessend habe ich noch einen Vorschlag zum Abendessen. Wie wäre es mal mit einer leckeren Pizza Kotzone mit Barbecue-Geschmack? Wenn sich das mal nicht vielversprechend anhört!
Jesper kann jetzt Fahrrad fahren! Das Auf- und Absteigen bekommt er noch nicht so ganz hin, aber er flitzt schon ganz schön durch die Gegend und mir bleibt so manches Mal das Herz stehen. Aber bisher ist noch alles gut gegangen.
Noch ’ne gute Neuigkeit: Wir haben doch noch Eurovision-Tickets bekommen! Wir werden also bei der zweiten Generalprobe am Freitagabend dabei sein. Wahnsinn! Jetzt gilt es sich aber auch endlich mal gründlich vorzubereiten. In den letzten Jahren hatte ich jeweils kurz nach der Entscheidung die Songs aus den einzelnen Ländern schon auf dem Rechner und kannte mich bestens aus. In diesem Jahr war mir das allerdings ein wenig zu aufwändig und so habe ich die Songs erst seit einer guten Woche auf dem offiziellen Sampler und diesen habe ich, wie ich zu meiner eigenen Schande gestehen muß, noch nicht mal komplett gehört. Jetzt wird’s aber langsam höchste Zeit.
Der Sommer macht sich mit aller Gewalt in Düsseldorf breit und nötigt einen somit zu außerhäuslichen Aktivitäten. So begab es sich also, dass sich unsere kleine Familie auf den Weg nach Hamm, im Volksmund auch Kappes-Hamm genannt, machte. Der Begriff Kappes-Hamm deutet schon darauf hin, dass es sich dabei um einen Stadtteil handelt, der früher vornehmlich von Bauern bewohnt wurde und auch heute noch fühlt man sich dort wie in einem kleinen Dorf, fernab der Landeshauptstadt. Nachdem wir Hamm durchquert hatten, legten wir eine Pause auf dem dortigen Spielplatz ein, wo Jesper sich richtig austoben konnte und sich auch beinahe einen kleinen Sonnenbrand geholt hat. Die Mutti auf der Nachbarbank hat es richtig gemacht. Sie vertrieb sich nämlich den Nachmittag damit, im Schatten sitzend das eine oder andere Piccolöchen zu leeren. Wir haben dann doch ein kühles Eis auf dem Heimweg vorgezogen. Das Projekt Familienausflug kann also als rundum geglückt bezeichnet werden! Und hier könnt Ihr nun selber gucken:
Gerade schaue ich mir das Formel1-Rennen aus Malaysia an und sehe dabei erstmals den neuen McLaren-Fahrer Lewis Hamilton. Was für ein talentierter Kerl! Fantastisch wie er in den ersten Runden die Angriffe von Massa abgewehrt hat. In den letzten Jahren ist mein Interesse an der Formel1 merklich abgekühlt. Bei Mika Häkkinen konnte ich noch einigermaßen mitfiebern, die Schumacher-Ära fand ich insgesamt einfach unendlich langweilig. Hoffentlich ändert sich das mit seinem Rücktritt endlich mal wieder. Unvergessen bleibt allein der einzigartige Ayrton Senna, der für mich immer der Allergrößte bleiben wird. Auf der Strecke war er einfach genial. Unvergessen wie er bei einem Rennen in Großbrittanien im strömenden Regen gleich in der ersten Runde 5 Wagen überholt hat! Bei youtube kann man diese Meisterleistung bewundern:
Im Rennen war er unerbittlich wenn es darum ging das Bestmögliche zu erreichen. Das Beispiel schlechthin dafür ist das Saisonfinale 1990, bei dem er seinen Konkurrenten Alain Prost bereits kurz nach dem Start abgeschossen hat:
Andererseits war er aber auch ein Fahrer, dem das Schicksal seiner Kollegen nicht egal war. Hier sieht man, wie er nach einem Unfall von Eric Comas mitten im Qualifying anhält um ihm erste Hilfe leisten zu können:
Hätte man so etwas jemals von Michael Schumacher gesehen? Die Antwort ist wohl überflüssig. Senna wird immer einzigartig bleiben!
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