Monatsarchiv: Juli 2005

Heute NRW und morgen…

Die neue Landesregierung ist im Amt und schreitet zur Tat. Ganz oben auf der Dringlichkeitsliste steht dabei offensichtlich die Etablierung des verstaubten und von der Zeit längst überholten CDU-Weltbildes.

An den Schulen in Nordrhein-Westfalen wird den Lehrern ein Handbuch ausgehändigt, das eine Hilfestellung für die Behandlung von Homosexualität im Unterricht geben soll.
Formulierungen wie „Achten Sie darauf, dass Sie Lesbisch- und Schwulsein nicht nur als Problem, sondern als eine Lebensform neben vielen anderen gleichbedeutend darstellen“ empfindet die CDU-Regierung als unangebracht und wird dieses Handbuch aus dem Verkehr zu ziehen. „Das Handbuch wird in der Schule zukünftig keine mehr Rolle spielen.“, sagt die neue Schulministerin. Näheres findet sich hier.

Das ist schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns nach der kommenden Bundestagswahl erwartet. Die Zeichen dafür, dass die Uhr um mindestens sieben Jahre zurückgedreht werden wird, mehren sich. Die sog. „geistig-moralische Wende“ klopft ein zweites Mal nach 1983 an die Tür. Zitat Edmund Stoiber: „Rot-grüne Ideologie kann mit so wichtigen Werten wie Heimat, Patriotismus und Nation nichts anfangen.“ Da möchte ich nur noch hinzufügen: „…und das ist auch gut so!“

Sanomat goes space!

Heute erreichte mich folgende Bestätigungsmail:

„Dear Humanoid,
Thank you for signing up to have your blog sent into space. The first transmission is scheduled for the week of August 12, 2005. Your blog will be included in that transmission. We will be using a five meter parabolic dish antenna with redundant high-powered klytrson amplifiers to transmit the signal (that was for all the nerds out there). You will receive a confirmation email each time your blog is transmitted.

Until then please help us spread the word! We have added a new feature called Space Posts that allows non-bloggers to upload a one-time message. We all have friends that don’t blog. We don’t like them as much as people that do, but it’s ok to still be nice to them and share stuff like this.”

Der Sinn dahinter? Ich kann ihn nicht erkennen, darum gefällt mir die Idee auch so gut!

SOS – die Grünen kommen!

Im, von mir gerne gelesenen, blog „Finland for Thought“ postete Phil die Statements von zwei Politikern der finnischen Grünen. Es ging darum, dass sich die beiden dafür aussprachen in Zukunft nicht, wie vom finnischen Wohnungsbauminister gefordert, das Hauptaugenmerk auf die Errichtung von Einfamilienhäusern zu legen, da dadurch die bisher bestehenden Gemeindestrukturen zerstört würden und es zu einem Ansteigen des Autoverkehrs kommen würde. Außerdem sind die beiden Grünen der Meinung, dass der Verkehr nach Möglichkeit von der Straße auf die Schiene verlagert werden solle.

Alles andere als revolutionäre Gedanken also, zumindest für einen Europäer. Doch Phil, der als Amerikaner in Helsinki lebt und arbeitet, befürchtet gleich, dass nun alle armen Leute in Wohnsilos gepackt werden und man ihnen die Autos wegnimmt. Oh mein Gott! Irgendwie ist es doch erschreckend, dass selbst junge und sich gerne liberal gebende Amerikaner noch immer nicht in der Gegenwart angekommen sind, geschweige denn in die Zukunft schauen. Ein Leben ohne Auto? Ausgeschlossen! Öffentliche Verkehrsmittel? Igitt, unter meinem Niveau! Man kann wohl noch lange darauf warten, dass die USA das Kyoto-Abkommen unterzeichnen werden. Offensichtlich gibt es dort nicht die geringste Sensibilisierung für ökologische Themen.

Und sonst? Letzten Samstag haben wir zwei Zimmer von Elmars neuer Wohnung mit Laminat ausgelegt. Ich werde offensichtlich auch nicht jünger, jedenfalls fiel mir das Aufstehen am Sonntagmorgen extrem schwer. Nachdem ich mich dann doch irgendwie in die Senkrechte gequält habe machten wir uns auf den Weg nach Duisburg. Die Olympischen Spiele 2012 werden ja nun unverständlicherweise nicht in Düsseldorf stattfinden, sondern in London. Um aber trotzdem mal einen winzigen Hauch des olympischen Geists abzubekommen wollten wir also die „World Games“ besuchen. Was für ein Fiasko! Für die Wettkämpfe im Sportpark Wedau gab es doch tatsächlich keine Tickets mehr. Alternativ hätten wir nach Mühlheim oder Bottrop fahren können um uns dort Feldbogenschießen oder so anzugucken. Das haben wir dann doch lieber sein gelassen und sind lieber in Düsseldorf Eisessen gegangen.

Unser guter alter Fotoapparat (Minox DC-3311) hat nun leider endgültig seinen Geist aufgegeben. Also einige Testberichte gewälzt, Kontostand gecheckt und eine neue geordert. Jetzt freuen wir uns auf eine Kodak DX7440. Die ersten Bilder sind dann bald in meinem Fotoblog zu bestaunen!

Warum nicht Finnland? Darum!

Ein Gedankenspiel geht uns seit Wochen durch den Kopf. Sollte man nicht wenigstens ganz vorsichtig mal andenken langfristig nach Finnland zu ziehen?

Einiges spricht dafür, besonders wenn man Kind(er) hat. Die Lage in Deutschland ist so: zwei Jahre lang bekommt man zusätzlich zum Kindergeld das sog. Erziehungsgeld. Keine Unsummen, aber immerhin soviel, dass man auf ein zweites Einkommen verzichten kann.
Wird das Kind nun zwei Jahre alt, so fällt dieser Betrag weg. Will die Mutter nun arbeiten, so stellt sich die Frage: wohin mit dem Kind? Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz hat man erst mit Vollendung des dritten Lebensjahres. Eine Möglichkeit wäre eine Tagesmutter. Die kostet aber natürlich und das nicht zu knapp. Eine Hausnummer, die uns zu Ohren gekommen ist lautet 5,50€/Stunde. Macht bei 40 Stunden/Woche stolze 1000€ im Monat!!!
Vielleicht kann man den Betrag durch Finanzspritzen vom Jugendamt oder so noch etwas drücken, aber das grundlegende Problem bleibt.
In Finnland kostet eine Tagesmutter im Höchstfall 250€ im Monat. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie viel mehr in Finnland für junge Familien getan wird.

Außerdem würde für Finnland sprechen, dass Jesper neben Deutsch und Schwedisch automatisch auch noch Finnisch lernen würde. Was für ihn ein Vorteil wäre, wäre für mich natürlich ein großes Hindernis. Mein passives (Finnland-)Schwedisch ist schon ganz passabel und der Schritt zum aktiven Sprechen wäre nicht so groß. Finnisch zu lernen ist da allerdings schon eine ganz andere Herausforderung. Dann auch noch einen Job zu finden ist noch viel schwieriger. Trotz aller Lobeshymnen, die hierzulande so gerne über Finnland angestimmt werden, sieht es auf dem dortigen Arbeitsmarkt gar nicht so gut aus. Wenn man nicht gerade über eine exzellente Ausbildung verfügt, ist es für einen Zugereisten momentan nahezu ausgeschlossen eine Stelle zu finden. Die Alternative als ewiger Hausmann in die Familienchronik einzugehen kann mich verständlicherweise nicht wirklich überzeugen.

Abgesehen davon würde mich persönlich der Schritt über die Ostsee wirklich reizen. Warum nicht was völlig Neues anfangen? Die Mentalität der Finnen kommt mir sehr entgegen. Nach Südeuropa könnte mich hingegen nichts und niemand bringen. Dieses ständige Palaver und die dauernde Aufgeregtheit wäre mir viel zu anstrengend.

Vorläufiges Fazit nach dem aktuellen Stand der Dinge:
Dieser vage Plan ist nicht realistisch. Vielleicht kann man aber das kleine Wörtchen „noch“ anhängen und den Gedanken weiterhin im Hinterkopf behalten.

Allez, allez, allez, JENS!

Na bitte, am Samstag finde ich noch lobende Worte für Jens Voigt und als ob er es gelesen hätte, zeigt er am Sonntag wieder mal eine großartige Leistung. GELBES TRIKOT!
Da kann sich der angebliche Vorzeige-Radler J.U. mal ein Beispiel dran nehmen!
Einen Tag vor Tourbeginn rauscht er mit seinem Drahtesel in den vor ihm fahrenden Team-Audi und verletzt sich dabei. Für mich ein ganz schlecht getarnter Versuch von Versicherungsbetrug. Stichwort: Autobumser.
Gestern wurde er dann angeblich von einer Windböe in den Straßengraben geweht und hat sich in Folge dessen mehrfach überschlagen. Hallo? Geht’s noch gut soweit?
Vielleicht sollte man mal den Verkehrskasper bei ihm vorbeischicken damit der ihm wenigstens das Nötigste über das sichere Bewegen eines Zweirades im Straßenverkehr beibringt.
Mir zeigt das nur ganz klar, dass er sich nicht richtig auf seinen Job konzentriert; er ist nicht 100%-ig bei der Sache und so will er die Tour gewinnen? Never!
Wenn’s morgen (mittlerweile heute) in die Alpen geht wird Jens Voigt sein gelbes Trikot wahrscheinlich wieder los sein, aber macht ja nichts. Er hat schon gezeigt wer momentan Deutschlands Radsportler Nummer Eins ist.

Und sonst?
Mal wieder Nachtschicht (gääähn!). An normales, menschenwürdiges Leben ist somit wieder drei Tage lang nicht zu denken.
Am Wochenende steht dann Laminatverlegung bei Elmar an. Hoffe nur, die Räume sind tatsächlich so rechtwinklig wie von ihm versprochen.
Bin außerdem immer noch damit beschäftigt mich durch die fünf CD’s des Shubidu-Contests zu kämpfen. Mein vorläufiges Gesamturteil fällt mittlerweile etwas gnädiger aus. Habe sogar die eine oder andere Perle entdeckt.
Bin mittlerweile unter die Keno-Spieler gegangen. Das ist ne tägliche Lotterie mit überschaubaren Gewinnen, aber recht guten Chancen. Statt von einem exorbitanten Lotto-Millionengewinn zu träumen, hoffe ich also auf 500€, was für einfach so zwischendurch ja schon mal ganz nett wäre. Bisherige Bilanz: Zwei Ziehungen, einmal nix und einmal den Einsatz zurück gewonnen. Vier Ziehungen stehen mit meinem momentanen Schein noch aus und irgendwas sagt mir, dass da noch was drin ist! Von Bettelmails bitte ich bis auf weiteres jedoch abzusehen.

Kjell Carlström!

Dieses Jahr verfolge ich die „Tour de France“ besonders aufmerksam, immer darauf konzentriert, ein hellgrünes Trikot der Liquigas-Bianchi-Mannschaft zu erblicken, in dem der Finne Kjell Carlström steckt. Er ist erst der zweite Finne nach Joona Laukka, der an der Tour teilnimmt und wenn man nach dem Namen geht, wohl der erste Finnland-Schwede überhaupt.
Als „angeheirateter Landsmann“ heißt es da natürlich Daumen drücken.
Seinen bisher besten Auftritt hatte er am letzten Mittwoch, als er in einer fünfköpfigen Ausreißergruppe für viele Kilometer das Feld anführte. Im Gesamtklassement steht er momentan auf Rang 144, was aber nicht wirklich aussagekräftig ist. Seine Aufgabe ist es nicht eine gute Position für sich selbst zu erzielen, sondern für das Team zu arbeiten, d.h. Nachführarbeit im Wind zu erledigen, Sprints vorzubereiten oder auch mal Verpflegung zu holen. Carlström ist amtierender finnischer Meister im Zeitfahren. Das lässt mich leider befürchten, dass er in der nächsten Woche, wenn es in die Berge geht, kaum noch mal im Fokus der Fernsehkameras auftauchen wird. Heute hat er auch schon fast 18 Minuten verloren, obwohl es nur über ein paar kleinere Berge ging.
Mein Dienstplan ist dieses Jahr zum Glück größtenteils Tour-freundlich. Nur viermal habe ich während dieser drei Wochen Spätdienst. Ansonsten bekomme ich alles Wichtige live mit!
Für so manchen ist meine Tour-Leidenschaft nicht ganz nachzuvollziehen. „Die fahren stundenlang rum und am Ende ist einer ein paar Sekunden schneller im Ziel als der Zweite.“
Kann ja sein, aber was sich in den Stunden davor abspielt ist meistens das wirklich Spannende. Die unterschiedlichen Teamtaktiken, das gegenseitige Belauern und Suchen von Chancen, das Überschreiten von Limits und die gequälten Gesichter der am Berg Distanzierten, das alles fasziniert mich jetzt schon seit gut 15 Jahren. An Jan Ullrich will ich das gar nicht festmachen. Es ist eher traurig Jahr für Jahr mit ansehen zu müssen wie ein solches Talent seine gegebenen Möglichkeiten immer wieder verschenkt. Viel mehr Sympathien habe ich für Draufgänger wie Jens Voigt oder früher Richard Virenque, Jacky Durand und Fernando Escartin.

Vive le tour!

Dreams of CaLevornication

In den Siebzigern galt es unter vermeintlich strukturschwachen kleinen Gemeinden als schick reichlich öffentliche Fördergelder für den Bau von Fußgängerzonen und Hallenbädern abzugreifen. Diese Fußgängerzonen ziehen sich noch heute wie Betongletscher durch die Städtchen und die Hallenbäder sind im Zweifel wegen Asbestverseuchung längst wieder geschlossen.
Die Fußgängerzonen unserer Zeit sind die sog. Spaßbäder. Jedes Kuhdorf braucht eins und so gibt es mittlerweile mehr dieser Fußpilzfarmen als es auch nur irgendwie wirtschaftlich vertretbar wäre.

War schon mal jemand in Bocholt? Ja? Beileid!
Mal angenommen ich würde ein solches Spassbad dort betreiben (okay, Spaß und Bocholt ist schon ein Paradoxon an sich), wie soll ich es unterscheidbar machen von all den anderen? Klar, ein wohlklingender Name muss her. „Güllekuhle“ oder „Jauchegrube“ kämen der Realität zwar nahe, wären aber unter Umständen den Finanziers schwer zu vermitteln. Nein, nein, es muss schon etwas Exotisches sein. Nun wäre für den weitgereisten Bocholter der Name „Niederrhein-Nordsee“ zweifelsohne exotisch genug, aber um wie viel weltläufiger hört sich nicht der Name BAHIA an? Genau, so soll es also heißen! Bezug zu Bocholt? Lieber nicht!

Auf die Spitze hat es nun also Leverkusen getrieben. Das dortige Badeetablissement hört auf den unsäglichen Namen CaLevornia!!! Ich hab’s mit eigenen Augen von der S-Bahn aus gesehen. Es stimmt wirklich! Keine ironische Übertreibung meinerseits! Glaubt mir!
Der dafür verantwortliche Marketing-Praktikant gehört mit einem lebenslänglichen Berufsverbot belegt.
Ich will zurück in die Siebziger als Schwimmbäder noch einfach „Hallenbad Derendorf“ hießen.